• Das Wappen der Samtgemeinde

    Das Wappen der Samtgemeinde

    Kurzbeschreibung des Wappens

    Auf grünem Schild der Heilige Mauritius stehend in goldenem Kettenharnisch mit rotem Überwurf. An seiner rechten Seite, mit beiden Händen gefasst, eine silberne Fahne mit Schwenkel.
    Vor seiner linken Hüfte ein silberner Schild mit steigendem Löwen in blau, rot bewehrt. 

    Zusammenführung der Samtgemeinden „Altes Amt Ebstorf“ und „Bevensen“ - die Samtgemeindewappen

     In den Dörfern und Gemeinden unseres Landkreises ist eine ausgeprägte Aktivität der Bürger in wirtschaftlichen, politischen, sportlichen und kulturellen Gruppierungen festzustellen. Die Identifikation der Bürger mit ihrer Gemeinde und ihr Wunsch, sich gegenüber Gruppen anderer Regionen deutlich zu machen, sollte ihren Ausdruck finden in einem für alle Gliedgemeinden einer Samtgemeinde typischen Symbol, das einfach, beziehungsreich, aussagekräftig, werbend und dekorativ zugleich ist, um als gemeinsames Zeichen für Verwaltung, Wirtschaft und Vereine zu dienen. 

    Besonders die Fremdenverkehrswerbung für unsere Samtgemeinden fordert ein Signet, das bei öffentlichen Veranstaltungen, bei Messen und Ausstellungen, auf Broschüren und Annoncen ebenso augenfällig und zugkräftig ist wie das Markenzeichen einer Firma. 

    Als ein solches Zeichen ist zu allen Zeiten das Wappen als repräsentatives Bild benutzt worden, in dem sich die geografische, geschichtliche, kulturelle und wirtschaftliche Situation einer Kommune widerspiegelt. 

    Wappeninhalt

    Bei der Gestaltung der Gemeindewappen wird bewusst besonderer Wert auf Heimat- und Geschichtsbewusstsein, aber auch auf kulturelle und wirtschaftliche Besonderheiten der Region gelegt. Hier sollte auch berücksichtigt werden, dass sich alle Orte der Gemeinde mit der Schildfigur identifizieren können. Das mag durch Verständigung auf ein Symbol oder durch geschicktes Zusammenführen typischer Zeichen der einzelnen Gemeinden in Heroldsbildern und gemeinen Figuren bestehen. 

    Viele Kommunalwappen zeigen ein charakteristisches Bauwerk oder Teile davon in ihrem Schild: Burg, Kirche, Brücke, Turm oder Wohnbauten. Eine andere Gruppe wählt Symbole zu Ereignissen oder Fundstücken aus ihrer geschichtlichen Vergangenheit. Wieder andere Zeichen haben ihren Ursprung in geografischen Besonderheiten der Ortslage: Berge, Flüsse, Pflanzen, Tiere. Auch wichtige Erwerbszweige oder Produktionsgüter können Begründung einer Wappenfigur sein. Da gibt es Früchte, Handwerks- und Arbeitsgerät, Industrieprodukte und Zeichen des Fremdenverkehrs. Viele Gemeinden führen ein Wappen, das sich anlehnt an die Wappen ehemaliger Grundherren, auf deren Grund und Boden oder unter deren Schutz sie sich in vergangener Zeit befanden. Schließlich sei nicht die Möglichkeit vergessen, ein Wappen zu schaffen, das „redend“ ist, das heißt, das eine Figur enthält, die auf den Namen eines Ortes hinweist. 

    Welche Motive in den Gemeinden und ihren Vertretungen für die Annahme eines Wappens und bei der Wahl seines Schildbildes auch immer eine Rolle spielen mögen, niemals darf vergessen werden, dass dieses Zeichen ein ganzes Gemeinwesen nicht nur für eine Legislaturperiode unmittelbar repräsentiert, sondern über Generationen seinen Wert als Symbol von Tradition, kommunaler Eigenständigkeit und zwischenmenschlichem Zusammenhalt behalten soll. 

    Wappenbeschreibung

    Auf grünem Schild der Heilige Mauritius stehend in goldenem Kettenharnisch mit rotem Überwurf.
    An seiner rechten Seite, mit beiden Händen gefasst, eine silberne Lanzenfahne mit Schwenkel.
    Vor seiner linken Hüfte ein silberner Schild mit steigendem Löwen in blau, rot bewehrt. 

    Wappendeutung

    Die Samtgemeinden „Altes Amt Ebstorf“ und „Bevensen“ liegen im ehemaligen Fürstentum Lüneburg. 

    Fürstentum Lüneburg

    Als über Heinrich den Löwen im Jahre 1180 die Reichsacht verhängt worden war, verlor er seine Titel als Herzog von Sachsen und von Bayern. Er ging dann über mehrere Jahre in die Verbannung, konnte aber danach auf seinen mütterlicherseits ererbten Eigengütern (Allodialbesitz) bis zu seinem Lebensende verbleiben. Im Zuge der staufisch-welfischen Aussöhnung übertrug 1235 Heinrichs Enkel Otto das Kind seine Eigengüter auf Kaiser Friedrich II. und wurde im Gegenzug mit dem neu gegründeten Herzogtum Braunschweig-Lüneburg belehnt, das aus den gerade übertragenen Gütern sowie weiteren größeren Reichsgebieten gebildet wurde. 

    Nach seinem Tod 1252 folgten ihm seine Söhne Albrecht der Große und Johann, die gemeinsam die Regentschaft übernahmen. 1269 kam es zur Teilung des Herzogtums, bei der Albrecht den südlichen Teil des Landes mit Gebieten um Braunschweig und Johann den nördlichen mit Besitztümern im Raum Lüneburg erhielten. 

    Das Fürstentum Lüneburg (später auch Fürstentum Celle genannt) war in den Jahren 1269 bis 1705 ein reichsunmittelbares Territorium im Heiligen Römischen Reich auf dem Gebiet des heutigen Bundeslandes Niedersachsen. 1269 aus der Teilung des Herzogtums Braunschweig-Lüneburg hervorgegangen, verlor es 1705 mit dem Anschluss an das Kurfürstentum Braunschweig-Lüneburg seine Selbstständigkeit, seine Stimme im Reichsfürstenrat wurde weiter als „Braunschweig-Celle“ geführt. 

    Wappen: In goldenem Schild, bestreut mit roten Herzen, ein steigender Löwe in blau. 

    Der Löwe ist das Wappentier der Welfen, dem ältesten Fürstenhaus Europas. Er symbolisiert das welfische Stammland Lüneburg. 

    Die Herzen als sog. »gemeine Figur« sind eine Hommage an das dänische Königswappen, welches mit Herzen »bestreut« ist, infolge der Heirat Herzog Wilhelms von Lüneburg mit Helena von Dänemark im Sommer 1202 n. Chr. Die dänischen Herzen waren übrigens ursprünglich eigentlich keine Herzen, sondern Lindenblätter, nur wegen der ähnlichen Form sind im Laufe der Zeit aus den Blättern die Herzen geworden. 

    Landkreis Uelzen

     Die Samtgemeinden Altes Amt Ebstorf und Bevensen sind mit Wirkung vom 1.7.1972 als Folge der kommunalen Neugliederung der Gemeinden im Landkreis Uelzen entstanden. 

    Wappen: In silbernem Schild, bestreut mit roten Herzen ein steigender Löwe in blau. Das rote Schildhaupt belegt mit drei silbernen geradarmigen Tatzenkreuzen. 

    Der „Lüneburger Löwe“ schreitet nach rechts. Die drei Kreuze schmücken das Wappen des Landkreises Uelzen zur Erinnerung an das in kultureller Hinsicht segensreiche Wirken der drei alten Klöster Ebstorf, Medingen und Oldenstadt, also in Erinnerung an drei alte kirchliche Einrichtungen, von denen zwei noch heute als Klöster und bedeutende kulturelle Schatztruhen und touristische Attraktionen fortleben. 

    Das Vermögen der drei Klöster, an die das Wappen des Landkreises erinnert, wurde im Zuge der Reformation von den Herzögen größtenteils eingezogen. Diese Güter werden die Grundlage der neu eingerichteten Ämter Ämter Medingen, Ebstorf und Oldenstadt,die zu dem bisherigen welfischen Burgamt Bodenteich hinzutreten. Sie sind als staatliche Verwaltungseinheiten Vorläufer des heutigen Landkreises. 

    Schon 1817 war das kleine Amt Oldenstadt durch eine umfangreiche Abtretung vom Amt Bodenteich vergrößert worden. 1859 wird die Zahl der Ämter im Königreich wesentlich verkleinert. Dabei werden die Ämter Bodenteich und Ebstorf aufgehoben, ihr Gebiet geht in den Ämtern Oldenstadt und Medingen auf, die allein bestehen bleiben. 

    Als 1885 die preußischen Landkreise gebildet wurden, verschwand auch das Amt Medingen, und Oldenstadt wurde Verwaltungssitz des Kreises Uelzen mit seinen 190 Einzelgemeinden. 1964 hatte der Gesetzgeber die Möglichkeit geschaffen, dass sich die Gemeinden freiwillig zu Samtgemeinden zusammenschlossen und diesen bestimmte Aufgaben übertrugen. 

    Samtgemeinde Altes Amt Ebstorf

    Mit der Umbenennung der Samtgemeinde Ebstorf in Samtgemeinde Altes Amt Ebstorf vom 17.10.1978 hatte der Rat die Annahme eines Wappens beschlossen, das am 14.11.1978 durch den Landkreis genehmigt wurde. 

    Wappen: In silbernem Schild pfahlweise zwei schreitende rote Löwen darüber eine Volks- oder Laubkrone in blau. 

    Das Motiv des Wappens entspricht einem Siegel vom 21.10.1755 (im Hauptstaatsarchiv Hannover) mit der Umschrift: KON:GR.BRIT:U.CHURFUR.BR.&LUN:AMT EBSTORFF. In dem Siegel ein Schild mit zwei pfahlweise schreitenden Löwen. Über dem Schild eine Laub- oder Volkskrone. Dem entspricht auch ein Siegel von 1836 unter einem Ablösungs-Contract vom Klosterzehnten für die Zehntpflichtigen zu Haarstorf, Amt Ebstorf. Dessen Umschrift: „Königlich Großbritannisches und Hannoversches Amt Ebstorf“. 

    Samtgemeinde Altes Amt Ebstorf: Ebstorf, Flecken, Hanstedt, Natendorf, Schwienau, Wriedel

    Samtgemeinde Bevensen

    Mit Beschluss des Ausschusses der Samtgemeinde vom 07.07.88 wurde das Wappen angenommen. 

    Wappen: In grünem Schild über goldenem Wellenbalken ein schreitender goldener Löwe, darunter ein goldenes Rad mit acht Speichen. 

    Wellenschildband = Ilmenau/Elbe-Seitenkanal

    Löwe = Zugehörigkeit zum ehemaligen Fürstentum Lüneburg. Das alte Amt Medingen (1750-1885) hatte im Siegel zwei schreitende Löwen pfahlweise angeordnet, die von einer Krone überhöht werden (siehe Siegel „Königlich Großbritannisches und Hannoversches Amt Ebstorf“).

    Rad = ehem. „Oldenstädter Karrenweg“, Handel, Verkehr und Tourismus

    8 Speichen = Mitgliedsgemeinden 

    Samtgemeinde Bevensen: Bad Bevensen, Altenmedingen, Barum, Emmendorf, Himbergen, Jelmstorf, Römstedt, Weste

    Samtgemeinden Altes Amt Ebstorf / Bevensen

    Die Samtgemeinde Bevensen und die Samtgemeinde Altes Amt Ebstorf haben mit übereinstimmenden Beschlüssen am 23.08.2010 bzw. 25.08.2010 sowie mit der Zustimmung der Räte der Stadt Bad Bevensen und der Gemeinden Altenmedingen, Barum, Emmendorf, Himbergen, Jelmstorf, Römstedt und Weste sowie der Räte des Klosterfleckens Ebstorf und der Gemeinden Hanstedt, Natenstedt, Schwienau und Wriedel durch Beschlüsse im August 2010 entschieden, bei dem Niedersächsischen Ministerium für Inneres und Sport ihren Zusammenschluss zur Samtgemeinde Bevensen-Ebstorf zu beantragen. 

    Mauritius

    Mauritius; * angeblich bei Theben in Ägypten; † angeblich um 290 in Agaunum im Wallis) war der Legende nach der Anführer der Thebaischen Legion und wird in der römisch-katholischen Kirche seit dem 4. Jahrhundert als Heiliger verehrt.

    Der Heilige Mauritius war ein Schutzheiliger des Heeres, der Infanterie, der Messer- und Waffenschmiede und wurde angerufen vor Kämpfen, Gefechten und Schlachten. Er gilt zudem als Schutzheiliger der Handwerker, die mit dunkler Farbe umgehen, und der Pferde. Sein Gedenktag ist der 22. September. 

    Im 13. Jh., aber auch noch später, suchte die Ritterschaft nach besonders geeigneten Vorbildern. Das Ideal bestand nicht nur in kämpferischer Gewandtheit und Tüchtigkeit, sondern auch in einem für Gott und den Mitmenschen offenen Herzen. In Mauritius wurde diese Ideale gefunden, und man begann, ihn darzustellen. Gold- und Silberschmieden gelingt es nun, dem Heiligen ausdrucksvolle Züge zu verleihen. Steinmetzen tun ein Gleiches. 

    Mauritius wurde von Anfang an als römischer Offizier im Kettenhemd, auch mit Schild und Lanzenfahne dargestellt; so findet er sich bereits auf der Mailänder Elfenbeintafel, die entweder Otto I. oder Otto II abbildet. Seit der Darstellung in Magdeburg etwa 1250 wird Mauritius in der Ikonographie als Mauretanier, also als Mohr mit dunkler Hautfarbe dargestellt. Auch im Wappen der Stadt Coburg erscheint er als Mohr. 

    Die Mauritiusdarstellungen im Magdeburger Dom ist das Werk eines Steinmetzen, der nach 1230 gearbeitet hat. Er gab dem Heiligen das Aussehen eines Mohren. Der „Schwarze Mauritius“ steht im Hohen Chor des Doms, und zwar vor dem Chorgestühl der rechten Seite. Das Kettenhemd gibt nur das Gesicht frei. Besonders die Lippen prägen das Aussehen so eindeutig zu dem eines Schwarzen, dass man annehmen möchte, ein solcher sei Modell gestanden. 

    Kloster Ebstorf

    Die Gründung des Klosters Ebstorf erfolgte Mitte des 12. Jh. durch einen Edelherrn Walrad und seine Frau Gerburg, wenn man der klostereigenen Überlieferung Glauben schenkt. Der Bericht über die erste Gründung des Klosters ist 1487 durch eine junge Novizin verfasst, die sich aber an einer älteren Vorlage orientiert. Wir erfahren darin, dass das Kloster zur Amtszeit des Bischofs Hermann von Verden (1148-1167) gegründet und dem hl. Mauritius geweiht wurde und seinen Konvent aus Regularkanonikern bildete. 

    Zunächst wurde die Gründung des Kanonikerstifts Ebstorf um die Mitte des 12. Jh. dem Grafen Volrad von Dannenberg aus dem Hause der Edelfreien von Bodwede mit dem Stammsitz in Bode und seiner Frau Gerburg zugeschrieben. Neuesten Forschungen zufolge kann man von der Vermittlung durch das Zentrum Magdeburg ausgehen. Es ist für die Gründung in Ebstorf ein Prämonstratenserstift unter dem Patronat des Mauritius anzunehmen. Zur Erklärung dieser These wird darauf hingewiesen, dass ein Bruder des Grafen Volrad, Heinrich von Bodwede, von 1142 bis 1164 Graf in Ratzeburg war, welches Heinrich der Löwe 1154 zum Bischofssitz erhoben hatte. Das dortige Domkapitel war nach der Prämonstratenserregel organisiert. Der Begründer des Ordens, Norbert von Xanten, hatte seit 1126 das Amt des Erzbischofs in Magdeburg inne. Dort war auch das Liebfrauenstift der Prämonstratenser. 

    In der ersten Hälfte des 14. Jh. wird aus dem Kloster von Wallfahrten, Prozessionen und Wunderheilungen berichtet. Ungeachtet der umfangreichen Landkäufe war das Kloster noch in der Lage, um die Mitte des 14. Jh. eine geräumige Backsteinkirche zu errichten.

    Anfang des 14. Jh. begannen die Pröpste ganze Dörfer zu erwerben: zwischen 1300 und 1313 Melzingen, 1368 Hanstedt I. Auch die Landerwerbungen der Folgezeit lagen überwiegend im Westteil des Kreises Uelzen, wo das Kloster am Ausgang des Mittelalters mit weitem Abstand der größte, im Goh Ebstorf sogar nahezu einzig Landeigentümer war. Der Besitz reichte aber östlich über die Ilmenaulinie hinaus und griff im Westen in den Kreis Soltau hinein. 

    Im 14.Jh. war der Propst des Klosters auch Archidiakon des Archidiakonats Ebstorf. 1408/19 gehörten die Pfarren in Eimke, Gerdau, Hanstedt, Holdenstedt, Munster und Natendorf zu diesem Archidiakonatssprengel. 

    Ende des 14. Jh. - erstmals 1380 - wird ein „go tho Ebbestorpe“ erwähnt, in dem der Propst Gerichtsherr war. 

    Die „Otia imperialia“ des Gervasius von Tilbury (um 1155 - um 1236) bilden die Grundlage für die Ebstorfer Weltkarte, die größte aller erhaltenen mittelalterlichen Rundkarten überhaupt. Sie wurde um 1830 im Kloster entdeckt. Es sind darin auch die Märtyrergräber bei Ebstorf verzeichnet (möglicherweise wurden sie später eingetragen). Ebstorf war im Spätmittelalter ein Wallfahrtsort mit einer Marienstatue, dem heiligem Öl und den Märtyrergräbern. 

    Auf dem Nonnenchor des Ebstorfer Klosters werden die drei Arme des Messingleuchters aus dem Jahre 1410, die ein Symbol der Dreifaltigkeit Gottes sind, gehalten vom hl. Mauritius. Im Kreuzgang findet man den Mauritius zweimal als Konsole; im Äbtissinnenflügel kniet vor ihm eine betende Nonne. 

    Auf dem Nonnenchor befindet sich der hl. Mauritius, leicht überlebensgroß als Weißer dargestellt, dendrochronologisch datiert auf „um 1250“, in einem Gestell mit Schrankflügeln des 17. Jh. Die linke Hand und der Schild wurden später ergänzt. Ein früherer Schild zeigte fünf Mohrenköpfe. 

    Die nahezu lückenlose Reihe der Propstsiegel des Klosters Ebstorf weist ebenso wie das Aussehen des Kloster- bzw. Konventssiegels aus der Zeit um 1200 bis zur Reformation auf eine erhebliche Konstanz in der Siegelführung das Bildnis des Klosterpatrons, des Heiligen Mauritius. 

    Kloster Medingen

    Der Bardengau war in 18 kleinere Bezirke eingeteilt, welche größtenteils Gohe hießen und deren einer der Goh Bevenhusen genannt wurde. Er fällt genau mit dem Gebiet des ehemaligen Amtes Medingen zusammen, nur dass diesem im Jahre 1795 noch Höver und Oetzendorf einverleibt wurden. 

    1228 Zisterzienserlaienbruder Johannes gründet mit vier Laienschwestern aus dem Katharinenkloster in Wolmirstedt einen Zisterziensernonnekonvent unter dem hl. Mauritius als Hauptpatron. Als Reliquie besaßen sie einen Zahn des Heiligen. (Erst Erzbischof Albrecht II. von Magdeburg + 1232 brachte den Kopf des Heiligen Mauritius nach Magdeburg. 

    Nach der legendarischen Überlieferung erhielt Johannes seinen Auftrag von Gott. Gründe sprechen allerdings dafür, dass der direkte Auftraggeber des Johannes der Erzbischof Albrecht II von Magdeburg (1205-1232) war (siehe Tafel 2 der Medinger Tafelbilder mit dem Namen Magdeburg und der Turmfront des Magdeburger Domes). 

    Stationen der Wanderung des Konvents: 

    1228-ca 1234/35 Aufenthalt in Restorf/Höhbeck (Elbe) 

    1234/35-ca 1237 Aufenthalt in Plate bei Lüchow 

    1237 Tod des Johannes; das Kapitel des Mönchsklosters in Rastede überlässt Besitz in Bohndorf dem Nonnenkonvent zur Klostergründung. 

    1241 Die Ritter von Meding übereignen dem Nonnenkonvent Kirche und Grundbesitz in Altenmedingen. 

    1323 Das Kloster kauft den Ort Zellensen (heute: Medingen) von den Rittern Grote. 

    1336 Verlegung des Klosters nach (Zellensen=Neu) Medingen. 

    Bis zum Jahre 1278 ist das Kloster zum kirchlichen Mittelpunkt geworden. Die seelsorgerische Betreuung einer Kirchengemeinde scheint sich nicht auf Bohndorf und (Alten-) Medingen beschränkt zu haben. Allem Anschein nach gehörten dazu schon früh einige Dörfer, die auch später Glieder der Kirchengemeinde Altenmedingen waren. In ihnen erwarb bereits im Laufe des 13. Jh. das Kloster das Recht, den Kirchenzehnt zu erheben. Diese Zehntdörfer waren: Bavendorf, Cote (Wüstung), Eddelstorf, Edendorf, Gifkendorf, Haaßel, Hohnstorf, Niendorf I, Römstedt, Secklendorf, Vorwerk und Virle (Wüstung).

    In diesen Dörfern halten Kapläne des Klosters Gottesdienst und sorgen für geistliche Betreuung, wie es in Zisterziensernonnenklöstern vielfach üblich war. Das Kloster erhielt deren Zehnten. Auch rechtlich und wirtschaftlich waren diese Dörfer dem Kloster zugeordnet. Klösterliche Armenfürsorge ist dabei eine Selbstverständlichkeit. Spenden, Zehnten, Einkünfte aus grundherrschaftlichen Rechten und Ertragsanteile aus der Saline in Lüneburg (1264 erstmals urkundlich erwähnt) dienen dazu, die vielfältigen Aufgaben zu erfüllen. 

    Unter den Pröpsten Nicolaus (1241-1287) und Hartwig von Sülze (1287-1311) entwickelten sich Konvent und Kloster sehr vielseitig. Liederhandschriften, die in Medingen entstanden, beweisen den hohen Rang der Kirchenmusik und die Leistungsfähigkeit der Klosterschreibstube. In der Klosterschule wurden Mädchen unterrichtet und erzogen. Sie war für den Nachwuchs gedacht, diesem aber nicht ausschließlich vorbehalten. In ihr finden sich viele Mädchen aus Adels- und Bürgerfamilien Lüneburgs. 

    Propst Christian (1311-1326) erwähnt erstmals 1313 Laienschwestern, deren Aufgabe allein die Krankenpflege war. Das Hospital des Klosters hat offensichtlich einen Umfang erreicht, der diese Spezialisierung fordert. So entwickelte sich das Kloster Medingen im seelsorgerischen, im medizinisch-pflegerischen und im erzieherischen Bereich zu einem Mittelpunkt. Da zugleich stetig und nachhaltig seine Wirtschaftskraft sich steigerte, entwickelte sich nun das Kloster zu immer größerer Bedeutung und Eigenständigkeit. 

    Auf den hl. Mauritius bezogen, befinden sich drei bedeutende Kunstwerke im Kloster Medingen. In der Krümmung des Krummstabs der Äbtissin, geschaffen bald nach 1494 durch den Lüneburger Goldschmied Herman Worm, werden Maria und der hl. Mauritius als Hauptpatrone des Klosters dargestellt. Der Heilige auf einer Reliquiendose wurde 1506 von Hermen Worm geschaffen; in dem Reliquienkästchen soll ein Zahn gelegen haben. Der „kleine“ Mauritius wird, wie auch bei den anderen beiden Arbeiten, als Mohr dargestellt. 

    Der 1929 zur Stadt erhobene Flecken benutzte schon vor 1430 ein Siegel, von dem aber Abdrucke fehlen. Für 1685 wird ein Ortssiegel bezeugt, das die Madonna mit Kind zeigt und als Vorlage bei der Genehmigung des Wappens durch den Minister des Innern 1951 diente. Man erklärt die Darstellung mit Maria als Hauptpatronin des Bistums Verden, das im Hochmittelalter hier einen Amtssitz hatte. Wegen der Ähnlichkeit mit dem für Siegel von Klöstern des Zisterzienserinnenordens beliebten Bildtypus kann auch an ein altes Siegel des Klosters Medingen gedacht werden, das seit 1450 Pfandherr, seit 1489 Eigentümer des Ortes war. 

    Das Siegel des Medinger Propstes Dietrich von Brand an einer Urkunde vom 16.06.1394 (nach Urkundenbuch St. Michaelis, Lüneburg, Nr. 792) zeigt den hl. Mauritius vor einem Altartryptichon.

    Text: Lutz Krüger, Emmendorf

     

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