• Bürger

    Grußwort des Samtgemeindebürgermeisters Hans-Jürgen Kammer

     Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,
    seit die Arbeiterinnen und Arbeiter am Ersten Mai 1890 erstmals weltweit auf die Straße gingen, wurden enorme und eindrucksvolle soziale Fortschritte erreicht. Trotzdem brauchen wir nach wie vor diesen Tag ganz notwendig: als Tag des Protestes und als Aktionstag, als Tag der Mahnung und des Nachdenkens.

    Vor 100 Jahren hielt Clara Zetkin ihre berühmte Karlsruher Mairede. Darin drückte sie die „Gedanken der Arbeiterklasse zum 1. Mai" so aus: „Ich will nicht leben, um zu arbeiten, ich will arbeiten, um zu leben, um menschenwürdig zu leben, um kulturwürdig zu leben."

    Ein berechtigter Wunsch, damals wie heute. Doch ihn zu verwirklichen, das verhinderten die schlimmen Lebens- und Arbeitsbedingungen während der Industrialisierung, ja noch im beginnenden 20. Jahrhundert: prekäre Arbeitsumstände, Arbeitszeiten von 80 und mehr Stunden in der Woche, Sonntagsarbeit, Kinderarbeit, Not der Familien … Die Auflistung ließe sich problemlos fortsetzen.

    Ist das alles ferne Vergangenheit? Leider nicht! Vergleichbare Probleme machen uns auch heute zu schaffen. Außerdem sind wir Zeitzeugen eines ungeheuren Elends in vielen Ländern der Erde. Die Schlagzeilen lauten: unmenschliche Arbeitsbedingungen, Hungerlöhne, Kinderarbeit, moderne Sklaverei … Auch hier ließe sich die Auflistung leicht fortsetzen.

    Und auch in unserem doch so reichen Land gibt es von neuem Armut, gibt es Kinderarmut, was ich als besonders bedrückend empfinde. Wir erleben, wie die Kluft zwischen Arm und Reich sich verbreitert.

    Millionen Menschen arbeiten in Minijobs, unter Lohndumping, mit nur kurzzeitigen Verträgen, in Leiharbeit, auf Praktikantenplätzen. Die Betroffenen werden schwer benachteiligt. Sie werden in ihren Lebensgrundlagen, in ihrem Selbstgefühl, in ihrem Mensch-Sein beeinträchtigt und abgewertet. Und gleichzeitig wird damit Altersarmut vorprogrammiert. Armut betrifft nicht mehr nur den Rand der Gesellschaft, sondern auch die Mitte.

    Arbeitsverhältnisse, die für die betroffenen Menschen schädlich sind, schädigen am Ende auch unser Gemeinwesen. Niedriglöhne, von denen die Arbeitenden und ihre Familien nicht leben können, belasten unsere Sozialsysteme und am Ende auch die kommunalen Haushalte und Einrichtungen. Für die Städte und Gemeinden ist das ein riesiges, ein wachsendes Problem.

    Deshalb möchte ich bei dieser Gelegenheit auch Danke sagen an alle Bürgerinnen und Bürger und an alle Institutionen, die sich in unserer Samtgemeinde für Gerechtigkeit und Solidarität engagieren, zugunsten von Menschen, die in Not sind, die der Hilfe bedürfen, wie auch zugunsten der Armen in den Ländern des Südens. Ganz herzlichen Dank und meine Anerkennung für diesen Einsatz!

    Ich wünsche uns allen einen guten und schönen Ersten Mai. Sein Schwung soll uns weiter durch das Arbeitsjahr begleiten.

    Herzliche Grüße
    Ihr
    Hans-Jürgen Kammer
    Samtgemeindebürgermeister

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